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Mit dem Schiff in ferne Länder

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1970 und 1971


Ausschnitt aus einem Reisebericht


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Reise-Routen

Meine Schiffe: MS Helga Russ - MS Hornstern - MS Sloman Alsterblick - MS Falkenstein - MS Sloman Alstertor

 

Hawai’i, Japan und China

Unser Schiff trug uns fort, vorbei an den Galapagos-Inseln und vorbei an Hawai’i nach Japan. Nur mit dem Fernglas konnte ich Hawai’i betrachten. Genau acht Tage dauerte die Reise bis Hawaii. Zum Greifen nah, fuhren wir daran vorbei. Einundeinhalb Tage konnte ich die Inseln sehen. Die größte kam zuerst, dann wurden sie immer kleiner.

ganz hinten Hawaii

Bild: Ganz hinten sollte Hawaii sichtbar sein, aber ich war schon zu weit weg, ich konnte meine Arbeit nicht untrerbrechen. Es war die berühmte Königin von Hawai'i Liliuokalani, welche das wunderschöne Lied komponierte: ... Aloha Oe, Aloha Oe ... ♫, für mich ist dieses Lied eine Hymne. Bilder, Königreich Hawai'i, das von den USA annektierte Land.

Die Datumsgrenze überquerten wir am 2. Juli. Muroran auf der Insel Hokkaido im Norden Japans, erreichten wir am 7. Juli. Um halb acht war es noch kühl aber ein schöner Sonnenaufgang empfing die Gäste aus Deutschland. In Muroran war die Sonne feuerrot, daher wohl die rote Sonne in der japanischen Flagge. Nicht weit von Muroran, weiter nördlich, liegt Sapporo, ein Olympia-Wintersportort. Ich wollte noch Schuhe kaufen, leider fand ich keine mit der Größe 43, die größten Herrenschuhe wären Größe 39 gewesen. Vierundzwanzig Stunden später war das Schiff schon unterwegs nach Tokyo. Unser schneller Bananendampfer schaffte diese Strecke sogar in sechzehn Stunden. Die Städte Tokyo, Kawasaki, Yokohama, Yokosuka, Chiba ligen an derTokyo-Bucht, es führt nur ein schmaler Zugang in die Bucht. Erst kamen wir an Yokohama vorbei, es liegt nur ganz wenig über dem Meer. An Yokohama schließt sich übergangslos Kawasaki an, dem sich übergangslos der Internationale Flughafen von Tokyo, Haneda, anschließt und bereits ein Teil von Tokyo ist. Als da beim Vorbeifahren Flugzeuge landeten und starteten, sah ich auch Lufthansamaschinen, ich dachte im ersten Moment, die würden auf dem Wasser starten und landen, so tief liegt der Flugplatz. Der Flugplatz wurde direkt in das Meer hineingebaut und liegt an der Tama Gawa Mündung (Gawa heißt Fluß).

 Seinerzeit gab es rund um Tokyo und ganz Japan eine Unmenge Basen der us-amerikanischen Besatzungsmacht. Mit dem Namen Tokyo ist auch eng der Name Ginza verbunden. Ginza ist das Tokyoter Vergnügungsviertel. Wer Geishas bewundern, gut essen und Bekanntschaften schließen möchte, der geht auf die Ginza. Sie ist nicht weit vom Hafen. Auf der Ginza entdeckte ich den Rosenkeller, ja er wurde so geschrieben, in gotischer Schrift. Er ist ein bayerisches Kellerrestaurant. Laut meiner Rechnung trank ich dort zwei Stiefel Münchner Hofbräu. Der Koch war ein Schweizer, das andere Personal kam aus Finnland, Hawaii, USA und anderen Ländern. Die Japaner mit denen ich mich dort unterhielt, sprachen perfekt deutsch, sie studierten in Berlin. Am anderen Tage ging ich in ein Kellerlokal, einer vornehmen Bar.

Die Japaner legen traditionell Wert auf Niveau. Der Inhaber des Lokales war der Präsident der japanischen Barkeepervereinigung. Als ich mich an die Bar setzte und ein kleines Asahi-Bier bestellte, bekam ich zu meiner Verwunderung nur ein Kuchenteller mit einem kleinen, feuchten, gefalteten weißen Tuch darauf. Nun wußte ich nicht was ich damit tun sollte, wollte aber auch nicht durch eine falsche Handlung auffallen. Es war auch keiner da, von dem ich es hätte abgucken können. Zögernd nahm ich das Tuch zwischen die Hände und rieb diese am Tuch, dabei beobachtete ich den Barkeeper, ob er zu Lächeln beginnt, tat er nicht, also habe ich es wohl richtig gemacht. In einem anderen Lokal, es war ein großer Saal, wurde ich abgewiesen, nur für Japaner sagte ein höflicher älterer Herr zu mir. Solches erlebte ich auch schon in den USA und Irland. Das muß man als Fremder ja auch respektieren und tolerieren, ich hatte jedenfalls Verständnis dafür.

Ich mußte auch einen Arzt aufsuchen, der war sehr deutschfreundlich, er studierte auch in Deutschland, sagte er mir in gutem Deutsch.

Zufahrt zu Kobe

U nsere Reise ging weiter nach Kobe. Bild: Hafen von Kobe in der Osaka Bucht, gegenüber von Osaka. Übrigens, beim Wort Osaka liegt die Betonung beim O. Das erste was ich morgens im Radio hörte war Ohaio Gosaimas, so hörte es sich an und bedeutet wohl soviel wie Guten Morgen meine Damen und Herren.

Wenn wir schon beim Japanisch sind, dann noch ein paar Worte japanisch. Wenn Sie Tee bestellen, könnten Sie sagen watakuschi wa tscha ga iru. Wie geht es Ihnen, würde heißen ikaga desuka. Danke heißt Arigato, und Auf Wiedersehen kennen Sie sicherlich schon selbst, Sayonara.

 In Kobe ging ich zum Zahnarzt, zu Dr. S. Suzuki. Im ersten Stock war die Praxis und im ersten Moment dachte ich, ich würde eine Wohnung betreten so vornehm war es da. Meine Schuhe mußte ich gegen Hausschuhe tauschen. Das Zahnreißen selbst war wie in Deutschland auch, nur daß Dr. Suzuki mir den Zahn mitgegeben hatte. Neulich entdeckte ich dieSchmerztabletten die mir Dr. Suzuki gab, ich hatte sie vergessen zu nehmen oder nicht benötigt. Kobe wurde in den 90er Jahren durch Erdbeben erheblich zerstört.

 Am 14. Juli verließen wir Kobe in Richtung Fukuoka. Es ging vorbei an der Provinz Hiroshima mit der einst zerstörten Hauptstadt Hiroshima. InFukuoka, im Südwesten Japans, konnte ich auf den Straßen mit älteren Menschen kein Gespräch beginnen, sie konnten oder wollten mich nicht verstehen. Kann ich irgendwie auch verstehen. Mit jüngeren, insbesondere jungen Damen kam ein Gespräch schnell zustande. Weiter südlich liegt Nagasaki. Die selben Städte Japans besuchte ich auch bei der zweiten Weltreise, 90 Tage später.

 Dann ging es ab nach Shanghai in China. Shanghai liegt an der Jangtsekiang Mündung, dem gelben Fluß, ich würde ihn nicht den gelben sondern den dreckigen Fluß nennen. Bevor wir in die Nähe der Mündung kamen, mußten wir stoppen und Soldaten an Bord lassen. Mao tse Tung war noch an der Macht, bei ihm war vieles strenger. Die Soldaten achteten rund um die Uhr darauf, daß wir nichts Verbotenes tun. Es wurde eine Liste ausgehangen auf dieser stand alles was verboten war. Da stand z. B. Im chinesischen Hoheitsgebiet sowie in chinesischen Häfen ist es per Strafe verboten: zu schießen, sich sinnlos zu betrinken, zu fotografieren, Geld ein- oder auszuführen und anderes. Wir durften uns nur vom Sonnenaufgang bis Mitternacht außerhalb des Schiffes aufhalten. Das Verschenken jeglicher Artikel war verboten. Es ging das Gerücht um, daß man in China auch mal Katzen- oder Hundefleisch serviert bekommt, damals.

 Im Hafen sah ich auch ein unfertiges U-Boot. Im Friendshipstore habe ich so viel eingekauft, daß ich zweimal mit dem Taxi fahren mußte. Das Friendshipstore hat ein einmaliges Aussehen. Es ist ganz anders als westliche Kaufhäuser, fast ein bißchen wie eine über mehrere Stockwerke verteilte Riesenwohnung. Mag man noch so Sonderwünsche gehabt haben, das Personal blieb stets überfreundlich. Ihm war einfach nichts zu viel. Es war das erste Kaufhaus in dem ich mich wirklich als König Kunde fühlte. Überhaupt fiel mir in Japan und China die für uns ungewöhnlich große Freundlichkeit auf, nirgendwo ist sie mir in diesem Ausmaße wieder begegnet. China - Land des Lächelns. Ehrliches Lächeln schafft angenehme Atmosphäre, das ist viel besser als das lästige und vor allem zu laute Lautsprechergedudle in deutschen Kaufhäusern, was mich zum raschen Verlassen drängt. Etwas Besonderes nahm ich von Shanghai noch mit, es war eine Sammlung von Mao tse Tungs Schriften, in deutsch. Ich hatte die Bücher aber nur angelesen und später weiterverschenkt.

 In unserem Hafen gab es keine Kräne. Deshalb wurde die Fracht von Hand geladen. Während an allen Ecken der Lagerhäuser die Lautsprecher Mao tse Tung preisten und dazwischen Blechmusik erklang, trugen schmächtige junge Frauen, zu zweit, die der Länge nach halbierten fetten Schweine auf unser Schiff. Männer waren nicht darunter. Die Speckschicht der Schweineleichen war etwa drei Finger dick. Man erzählte, daß in Shanghai eine Bar mit dem längsten Tresen der Welt stand. Bars und Vergnügen hatte ich nicht gesucht. Für unsere weitere Fahrt mußte noch Trinkwasser getankt werden. Auf See stellte unser Koch Karl Kaserer fest, daß das Wasser so braun, also unrein war, daß wir es nicht benutzen konnten. Nun hieß es, das Mineralwasser als Trinkwasser zu benutzen, und es mußte sparsam damit umgegangen werden. Es wurde deshalb auch mehr deutsches Bier getrunken, meistens hatten wir Holsten, Jever und noch ein anderes Bier an Bord. Nach etwa vier Tagen fuhren wir den Jangtse wieder hinunter bis zur Mündung am Ostchinesischen Meer, von dort aus trug mich das Schiff, vorbei an Formosa/Taiwan und Vietnam weiter nach Südafrika. Am 24. Juli 1971 waren wir auf der Höhe von Saigon in Vietnam. Es tobte noch der Vietnamkrieg, ein B-52 Bomber der Amis flog zu uns heran, lugte zu uns herunter und drehte danach wieder ab in Richtung Vietnam.

 Die Gegend um Djakarta, der Hauptstadt Indonesiens, passierten wir am 26. Juli 1971. Rechts lag die Insel Sumatra. Am 2. August sah ich vom Schiff aus Madagaskar.

   Bild: Ich selbst am Kap der Guten Hoffnung, Südspitze von Afrika.

Kap der Guten Hoffnung

In Durban (Südafrika) hatten wir gebunkert, das bedeutet Schweröl für unsere großen Motoren tanken, Landgang gab es wegen der Kürze des Aufenthaltes nicht. Dann ging es ohne Stop weiter bis Istanbul. Dort hätte der Funker abgelöst werden sollen, aber der Ablöser kam nicht.

So konnte sich unser Funker Hahn aus Berlin vorerst noch nicht in den Urlaub verabschieden. Nach ein paar Stunden des Wartens fuhren wir weiter nach Constanza in Rumänien. Dort wurden die fetten Schweine aus China entladen. Nach acht Tagen sagten wir auch Constanza Ade. Wir legten am 2. September noch kurz in Augusta auf Sizilien an, aber dann begann meine letzte Fahrt, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte.

 Während der Seefahrt machte ich noch einen interessanten Elektronik-Fernlehrgang von der Firma Euratele, da konnte ich noch mit Röhren aber auch schon mit Transistoren basteln.

  Am 13. September begann ich meine zweite und letzte Passage durch den Panamakanal. Vom 15. bis zum 19. hielten wir uns wieder in Ecuador auf. Dort mußte ich wieder zum Zahnarzt. Als ich an der Adresse ankam, sah ich wohl das Schild aber ich suchte die Praxis. Im ersten Stock sollte sie sein. Aber nachdem ich dort ankam hätte ich dort nie und nimmer einen Dentisten vermutet. Dabei stand ich nur zwei Meter vor dem Eingang. Das ganze Haus war sehr alt und innen zum Teil aus Holz und deshalb war der Praxisraum ebenfalls mit Holz abgeteilt. Ein Fenster zum Flur erlaubte mir hineinzublicken, aber was ich da drinnen sah, glich eher einer Bastlerwerkstatt als einer Zahnarztpraxis. (weiter im Kasten rechts)

Vorsichtshalber fragte ich den Menschen da drinnen nach dem Dentisten. Er sagte, ich sei hier schon richtig, und sollte den Behandlungsschein vom Schiff vorlegen. Dann bat er mich an einem Werktisch Platz zu nehmen. Ich sah da einfach nichts, was ich mit einer Zahnarztpraxis hätte gleichsetzen können. Unter den Tisch waren auf seiner Seite Nähmaschinen-Pedale eingebaut und auf dem Tisch lag ein Gebilde das aussah wie ein Kabel oder Schlauch mit Seil. Er bat mich den Mund zu öffnen und zu sagen, welcher Zahn mir weh tat. Er nahm dieses Gebilde und fing gleichzeitig an den Pedalen zu treten an. Jetzt sah ich, daß an der Spitze sich etwas drehte, das eine Ähnlichkeit mit einem Zahnarztbohrer haben könnte. Pedaldtretend fing er an meinem Zahn zu bohren an. Wenn er stecken blieb, trat er die Pedale einfach rückwärts. Trotzdem hat der Zahnarzt gute Arbeit geleistet.

 Dann brachte uns das Schiff wieder, an Hawaii vorbeifahrend, zu den schon bei der letzten Reise besuchten Städte in Japan. Danach ging es ab nach Somalien, auf der Höhe von Borneo bogen wir rechts ab in die Malakkastraße hinein und fuhren an Singapur vorbei und an Sumatra entlang. Nachmittags ließ ich mich an Deck im Schatten der Tropensonne bräunen. Vorbei an den Nikobaren und Ceylon/Sri Lanka, Malediven. Die erste Station in Somalia hieß Merca, sie liegt gleich bei Mogadishu und nahe am Äquator. Landgang gab es in Somalia nicht. Nächste Station war Chissimaio gleich unterhalb des Äquators. In Somalia luden wir Kaffe und kleine Bananen. Am 9. November verließen wir Somalia. Weitere Positionen waren am 15. November Höhe Kapstadt, am 20. Äquator, am 22. um 23 Uhr Höhe Dakar (Senegal), am 24. Las Palmas (Gran Canaria), am 26. Golf von Biscaya, am 27. erstes Leuchtfeuer von Quessart (Frankreich). Am 29. November schließt sich der Kreis, ich komme wieder da an wo meine Seefahrt am 1. März 1970 begonnen hatte, in Brunsbüttel.
 Ich war sicher, daß ich auf einem anderen Schiff weiterfahren würde, leider täuschte ich mich. Es war meine letzte Fahrt. Eine schöne Zeit geht nun zu Ende.
 Heute gibt es kaum noch Hoffnung solche Fahrten zu machen, den Messesteward hat man wegrationalisieren müssen, die ausländische Konkurrenz machte die Preise und damit diese Arbeitsplätze kaputt. Decksleute sind häufig aus der Dritten Welt, diese sind viel billiger und anspruchsloser. Wer heute in Deutschland auf einem Handelsschiff zur See fahren will, muß eine Seefahrts-Fachausbildung haben, wie Schiffs-Elektriker, Schiffs-Ingenieur, Funker, Bootsmann, Koch, Decksmann usw. Die Arbeitsämter erteilen aktuellere Auskunft.

 

Ahoi! Aloha!

 

 

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